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Gruppenleiterseminar „Öffentlichkeitsarbeit für Selbsthilfegruppen“, Oktober 2025 im Arbeitnehmerzentrum Königswinter

Herausforderungen und Erwartungen
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Hubert Peter erklärt anschaulich zielgruppengerechte Ansprache
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Brainstorming: Was macht einen guten Flyer aus
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Grafik Leserbedürfnisse, Bonner General-Anzeiger
Bettina Köhl, stellv. Leiterin Lokalredaktion, Bonner General-Anzeiger
Teilnehmer Gruppenleiterseminar "Öffentlichkeitsarbeit" 2025, AZK

„Tue Gutes und rede darüber“, heißt es. Das gilt auch für die Selbsthilfe. Schließlich leben Selbsthilfegruppen davon, sichtbar zu sein: Für Betroffene, die Hilfe und Austausch suchen, für potenzielle Unterstützer wie Krankenkassen oder Kliniken sowie für die Öffentlichkeit, um für das Thema Krebs zu sensibilisieren. Öffentlichkeitsarbeit ist daher nicht nur etwas für Unternehmen, Parteien oder Behörden – auch jede noch so kleine Selbsthilfegruppe kann und sollte im Rahmen ihrer Möglichkeiten Maßnahmen ergreifen, um ihre Angebote bekannt zu machen.

Darum ging es im Seminar „Öffentlichkeitsarbeit für Selbsthilfegruppen“, das Mitte Oktober 2025 in Königswinter stattfand und von Heike Behrbohm aus der DLH-Geschäftsstelle sowie Hubert Peter, DLH-Vorstandsgast und selbst Gruppenleiter, geleitet wurde. Es war ein intensives Seminarwochenende, und es blieb viel Raum für individuelle Anliegen und Fragen.

Die Vorstellungsrunde fand am Vorabend beim gemütlichen Abendessen im „Weinhaus am Rhein“ statt. So konnte es am Morgen des ersten Seminartages direkt mit dem fachlichen Programm losgehen.

 

Herausforderungen und Erwartungen

Zum Auftakt wurden die Teilnehmer aufgefordert, zwei Fragen zu beantworten:

  • Welches sind die größten Herausforderungen bei Eurer Gruppenarbeit?
  • Welche Anregungen braucht Ihr, damit das Seminar am Ende für Euch lohnend war?

Zwei Themen kristallisierten sich als besonders drängend heraus, die im Laufe des Wochenendes in verschiedenen Zusammenhängen immer wieder zur Sprache kamen:

  • Wie erreichen wir besser die Patienten, die bislang nicht auf unser Angebot stoßen?
  • Wie überzeugen wir Ärzte davon, Patienten auf unser Angebot aufmerksam zu machen?

 

Zielgruppengerechte Ansprache anschaulich erklärt

Der erste Themenblock widmete sich den Grundlagen der Öffentlichkeitsarbeit. Hubert Peter ging Fragen nach wie

  • Wozu Öffentlichkeitsarbeit?
  • Was will ich bei wem erreichen?
  • Wie erreiche ich mit meinen Botschaften die richtigen Personen und überzeuge?

Dabei brachte er sowohl seine beruflichen Erfahrungen als Vertriebsmitarbeiter als auch seine persönlichen Erfahrungen als Betroffener und Gruppenleiter ein. Sehr anschaulich vermittelte er anhand kleiner szenischer Darstellungen, warum eine zielgruppengerechte Ansprache so wichtig ist und wie sie gelingen kann.

Anhand seiner persönlichen Krankheitsgeschichte demonstrierte er die unterschiedlichen Perspektiven und Bedürfnisse der Zielgruppen „Patienten“, „erwachsene Angehörige“, „Kinder“, „Ärzte/Fachpersonal“, „Arbeitgeber“ und „Kollegen“ und erklärte, welche Form der Ansprache diese brauchen.

Anhand von Beispielen zeigte Hubert Peter, welche Kernbotschaften durch Öffentlichkeitsarbeit vermittelt werden sollten und was dabei zu beachten ist:

  • Wer sind wir und wofür stehen wir?
  • Wie berühre ich Menschen emotional?
  • Was können wir bieten?
  • Wie schaffe ich einen niederschwelligen Zugang zu unseren Angeboten?

Abschließend präsentierte er einen Überblick zu den verschiedenen Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit: Mundpropaganda, Aushänge am „Schwarzen Brett“, Flyer und Faltblätter, digitale Präsenz durch Website, Social Media und Online-Verzeichnisse sowie die Vernetzung mit Ärzten und Beratungsstellen, Pressevertretern und Betroffenen.

Er wies auf die Bedeutung einer Website als wichtigste digitale Anlaufstelle hin und betonte, dass es dabei weniger auf ein perfektes Erscheinungsbild als auf den Informationsgehalt ankomme. Das wichtigste Ziel einer Web-Präsenz sei es, Menschen zu erreichen, die im Internet nach verlässlichen Informationen zu ihrer Erkrankung und Ansprechpartnern suchen.

Zu den Herausforderungen und Umsetzungsmöglichkeiten gruppeneigener Websites entwickelte sich eine lebhafte Diskussion.

 

Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit: Wie erstelle ich einen guten Flyer?

Im zweiten Themenblock, moderiert von Heike Behrbohm, drehte sich alles um das Thema Flyer – ein leicht zu erstellendes und vielseitig einsetzbares Instrument der Öffentlichkeitsarbeit.

Zum Auftakt nahm die Gruppe gemeinsam verschiedene mitgebrachte Flyer unter die Lupe. Dabei wurde herausgearbeitet, welche Inhalte wichtig sind, worauf man verzichten kann und welche Gestaltungselemente einen Flyer ansprechend wirken lassen.

Daraus ergaben sich grundlegende Fragen zur Corporate Identity (Erscheinungsbild und Selbstverständnis eines Unternehmens bzw. einer Gruppe): Was macht unsere Gruppe aus? Welches Motto wollen wir sichtbar nach außen tragen? Haben wir ein Logo? Nutzen wir für verschiedene digitale und gedruckte Produkte einheitliche Schriften und Farben, die für Wiedererkennung sorgen?

Anschließend erklärte Heike Behrbohm ausführlich die einzelnen Schritte von der ersten Idee bis zum fertigen Flyer. Die Teilnehmer lernten die beliebtesten Flyerformate kennen, erhielten einen Einblick in das Gestaltungsprogramm Canva und erfuhren, welche Regeln für eine gute Lesbarkeit (Barrierefreiheit) zu beachten sind. Ergänzend gab es praktische Tipps, etwa zu Druckkosten und Bildquellen.

Als Nächstes kam das Rollup als weiteres wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit zur Sprache. Nun wurde es interaktiv: Das Gestaltungsprogramm Canva wurde auf die Leinwand übertragen, und gemeinsam diskutierten die Teilnehmer das Layout für ein Rollup, das Heike Behrbohm für eine der anwesenden Gruppen entworfen hatte. Ein kreativer Prozess, an dessen Ende ein gelungener Entwurf stand.

 

Wie schafft es meine Pressemeldung in die Zeitung? Praxistipps von der Lokalredakteurin

Für den dritten Seminarblock hatte die DLH Bettina Köhl, stellvertretende Leiterin der Lokalredaktion beim Bonner General-Anzeiger, als Expertin gewinnen können. Auf unterhaltsame Art und Weise vermittelte Frau Köhl Einblicke in die Redaktionsarbeit.

Anhand einer Grafik erklärte sie, dass viele Redaktionen – auch beim General-Anzeiger – von der Praxis abgekommen sind, nur anlassbezogen zu berichten. Das bedeutet: Eine Nachricht muss nicht zwangsläufig einen aktuellen Anlass als „Aufhänger“ haben, wie zum Beispiel den Weltkrebstag oder ein Jubiläum. Vielmehr haben grundsätzlich alle Berichte eine Chance, die mindestens eines der klassischen Leserbedürfnisse erfüllen: Erhelle mich, Gib mir Orientierung, Berühre mich, Inspiriere mich, Lenk mich ab, Gib mir Tipps, Informiere mich.

Frau Köhl ermutigte die Teilnehmer, aktiv persönliche Kontakte zu Redakteuren in ihrer Region aufzubauen. Möchte eine Selbsthilfegruppe etwa auf einen Patiententag aufmerksam machen, lohnt es sich, vorher in der Lokalredaktion anzurufen und zu klären: Hat das Thema eine Chance? Welche Informationen werden dafür benötigt? Besteht Interesse an Bildmaterial? Geeignet sind solche Bilder, die authentisch, aussagekräftig und zeitgemäß sind. Die klassischen „Scheckübergabe“-Fotos etwa verwendet man in ihrer Redaktion nicht mehr, da der Scheck als Zahlungsmittel schon lange ausgedient hat.

Weiterhin ging Frau Köhl darauf ein, in welcher Form Presseinformationen am besten verschickt werden. Sie erläuterte, dass Redaktionen den verfügbaren Platz auf einer Zeitungsseite heute nach „Kleidergrößen“ S, M, L und XL einteilen. Ist auf einer Seite zum Beispiel noch Platz für eine kleine Meldung (Größe S), so hat ein kurzer Veranstaltungshinweis eine Chance abgedruckt zu werden,

Warum zugesagte Veröffentlichungen manchmal ausfallen, erklärte Frau Köhl mit äußeren Zwängen: Ein Veranstaltungshinweis kann kurzfristig einem Unfallbericht oder einer Brandmeldung weichen.

Nach diesem spannenden Ausflug in die Redaktionsarbeit ließen die Teilnehmer den arbeitsintensiven Tag gemeinsam in der AZK-eigenen Bar ausklingen.

 

Rückschau und Blick in die Sozialen Medien

Der zweite Seminartag begann mit einem Rückblick. Anhand der Notizzettel vom Vortag wurde geprüft: Konnten die Herausforderungen der Gruppen ausreichend besprochen werden? Wurden die Erwartungen an das Seminar bislang erfüllt? Da diese Fragen im Großen und Ganzen bejaht wurden, blieb Zeit für den vierten Programmpunkt „Social Media – Facebook und Instagram, sinnvoll oder überflüssig?“.

Heike Behrbohm demonstrierte verschiedene Social-Media-Auftritte auf Facebook und Instagram und postete anschließend live das am Samstag aufgenommene Gruppenfoto. Die Teilnehmer erhielten einen Eindruck davon, wen die DLH mit ihren Social-Media-Auftritten erreicht und warum diese eine sinnvolle Ergänzung zur Website darstellen.

Zur Sprache kam auch das Thema „Sensible Daten“, insbesondere im Zusammenhang mit Facebook-Gruppen. Solche Gruppen erfreuen sich in vielen Themenbereichen großer Beliebtheit und ermöglichen einen unkomplizierten Austausch rund um die Uhr. Auch für Krebsbetroffene verschiedener Entitäten existieren Facebook-Gruppen. Heike Behrbohm wies darauf hin, dass selbst geschlossene Gruppen mit Zugangsbeschränkungen keine hundertprozentige Sicherheit vor unbefugten Mitlesern und Datenmissbrauch gewährleisten können. Die Gruppen sollten daher mit Umsicht genutzt werden, etwa durch Verwendung von Pseudonymen.

 

Fazit

Mit einer Feedbackrunde endete das Seminar. Die Teilnehmer zeigten sich zufrieden, waren angetan vom intensiven Austausch, von der guten Atmosphäre und der Fülle an vermittelten Inhalten. Als Themenwünsche für kommende Seminare nannten sie Gesprächsführung, Patientenbeteiligung und Kooperationsverträge.

 

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