Eine „Selbsthilfegruppe für Selbsthilfegruppenleiter“, so könnte der Untertitel des Fortbildungsforums lauten, zu dem die DLH am 26.-27. Oktober ins Arbeitnehmerzentrum Königswinter eingeladen hatte. 15 Gruppenleiter waren gekommen, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Die Leitung hatten Holger Bassarek (DLH-Vorstandsmitglied) und Heike Behrbohm (DLH-Geschäftsstelle).
Den Bericht mit allen Bildern und Grafiken können Sie hier herunterladen (PDF).
Bunte Runde
Die Runde der Teilnehmer war bunt gemischt, darunter etliche erfahrene, aber auch kürzlich ins Amt gekommene Gruppenleiter. Ebenso breit gefächert war die Palette der von ihnen vertretenen Selbsthilfegruppen: klein und groß, krankheitsspezifisch und -übergreifend, lokal, regional und bundesweit organisiert, digital und vor Ort. Um diese heterogene Gruppe zusammenzubringen, stand das gegenseitige Kennenlernen am Vormittag des ersten Seminartages im Vordergrund. Die meisten Teilnehmer waren der Bitte nachgekommen, für die Aufwärmrunde einen persönlichen Gegenstand mit einer besonderen Bedeutung mitzubringen: Steine von einem Sehnsuchtsort, Glücksbringer oder Symbole für Familie, Kindheit oder ein Hobby, das bei der Krankheitsbewältigung hilft. Viele der Geschichten waren bewegend und schafften unter den Teilnehmern, die sich zuvor nicht alle kannten, eine vertrauensvolle Atmosphäre.
Interaktive Themensuche
Interaktiv war auch die anschließende Themensuche. Die Teilnehmer notierten bis zu drei Themenwünsche auf Notizzetteln und setzten dann mit Klebepunkten ihre Prioritäten. Ganz oben auf der Wunschliste stand das Thema Nachfolge, dicht gefolgt von „Trauer/Umgang mit schwierigen Themen“. Die Mitgliedergewinnung gelangte auf Platz 3. Weitere Problemstellungen wurden im Verlauf des Wochenendes zum Teil gestreift: Datenschutz, Vernetzung mit Ärzten und Kliniken und anderen Selbsthilfegruppen.
Thema Nummer 1: Nachfolge
Nach der Mittagspause begann eine offene, lebhafte Diskussion zum Thema Nachfolge. Dabei kristallisierten sich vier Fragestellungen heraus:
- Warum fehlt es in der Gruppe an Engagement?
- Warum geben Gruppenleiter trotz der Belastung ihr Amt nicht ab?
- Was kann helfen, Nachfolger zu finden?
- Wie organisiert man eine reibungslose Nachfolge?
Alle Beteiligten brachten Erfahrungen und Ideen ein – für fast alle war etwas dabei, das sie ausprobieren wollen.
Anklang fanden vor allem zwei Vorschläge zur Nachfolge:
- zeitliche Begrenzung der Amtszeit. Auf diese Weise lässt sich die Gefahr der „großen Fußstapfen“ verringern, in die sich irgendwann niemand mehr hineinwagt.
- Ankündigung des Rückzugs aus dem Amt zu einem konkreten Zeitpunkt – mit allen Konsequenzen, falls sich kein Nachfolger findet.
Im Trauerfall angemessen verhalten, aber wie?
Am Nachmittag stand das Thema Trauer/Umgang mit schwierigen Themen auf dem Programm. Im Vordergrund standen praktische Fragen:
- Wie nah lässt man den Verlust eines Gruppenmitglieds an sich heran?
- Wie verhält man sich als Gruppenleiter angemessen, wenn ein Gruppenmitglied verstorben ist?
- Was tun, wenn ein Gruppenmitglied längere Zeit nicht zum Treffen gekommen ist und nicht bekannt ist, warum?
- Wie gelingt es, den Tod eines Gruppenmitglieds zu verarbeiten – insbesondere, wenn eine enge persönliche Beziehung bestanden hat?
- Wie geht man im Rahmen der Gruppenarbeit damit um?
Diese Fragen beantworteten die Teilnehmer individuell unterschiedlich. In der Mehrheit herrschte die Ansicht, dass eine gewisse innerliche Distanz zum eigenen Schutz gewahrt werden darf. Die meisten der teilnehmenden Gruppenleiter nehmen nicht an Beisetzungen teil. Üblich ist es aber, beim Gruppentreffen eine Gedenkminute abzuhalten, ein paar Worte über den Verstorbenen zu sagen, Erinnerungen auszutauschen.
Schwieriger war die Frage zu beantworten, ob sich Gruppenleiter bei Angehörigen melden sollten, wenn sie ungewöhnlich lange nichts von einem Mitglied gehört haben. Eine akzeptable Vorgehensweise könnte es sein, einen Anlass für die Kontaktaufnahme bei den Angehörigen zu finden, etwa eine besondere Veranstaltung. Dabei muss allerdings stets beachtet werden, ob das jeweilige Mitglied seine Kontaktdaten für solche Zwecke zur Verfügung gestellt hat.
Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass sie als Gruppenleiter Leid nicht verhindern können. Doch mit ihrem Engagement sind sie in Notzeiten für andere da und geben den Mitgliedern Raum für ihre Sorgen.
Mitglieder gewinnen, einbinden, halten
Am Morgen des zweiten Seminartages stand das Thema Mitgliedergewinnung im Fokus. In einem Brainstorming trugen die Teilnehmer ihre Ideen zusammen. Schnell wurde deutlich: Neue Interessierte für die Gruppe zu finden ist das eine – diese auf lange Sicht in die Gruppe einzubinden das andere. Ein gutes Miteinander bei den Gruppentreffen, Eingehen auf die Bedürfnisse der Mitglieder, attraktive Angebote und eine gute Vernetzung mit Ärzten und Kliniken sind daher wichtige Faktoren für eine langfristig erfolgreiche Gruppenarbeit.
Fazit
Nach einem intensiven Gedankenaustausch gab es eine abschließende Feedbackrunde. Insgesamt waren alle Teilnehmer sehr zufrieden mit dem Fortbildungsseminar. Positiv bewertet wurden unter anderem die ergebnisoffene, gemeinsame Themensuche und die Tatsache, dass die Gruppen mit ihren Belangen im Vordergrund standen. Einig waren sich die Teilnehmer darin: Die Gesprächsatmosphäre war trotz der Gruppengröße sehr gut, das Miteinander wertschätzend und vertrauensvoll. Alle konnten etwas für sich und ihre Arbeit mitnehmen und bekundeten ihr Interesse wiederzukommen.



